Sennhütte

Sennereigenossenschaft

Die Protokolle von 1828 bis 1905 fehlen, für diese Zeit können nur beschränkt Angaben gemacht werden. Laut Weisslinger Chronik von 1948, sowie Grundlagen der Gebäudeassekuranz (Versicherung) erfolgte 1828 in Neschwil die Gründung einer Organisation zur Herstellung von Magerkäse. Johannes Schenkel und 14 Mit-Anteilhaber entschlossen sich zum Bau einer Sennhütte zwecks Verwertung überschüssiger Milch. Die Einschätzung der Brandassekuranz ergab für die Sennhütte einen Versicherungswert von 800 Gulden (ca. 4000.- Franken). Es folgten verschiedene Wechsel im Eigentum der Sennhütte: 1842 Rudolf Hofmann und Mithafter; 1843 Rudolf Meili und Mithafter; 1845 Hansheinrich Wild als Mithafter. Als Hersteller von Käse und Butter (genannt „Senn“) bezahlte Hansheinrich Wild seinen Mithaftern einen Hüttenzins von 50 Rappen je Saum Milch (161 Liter). Den Milchlieferanten von Neschwil bezahlte Wild je Saum (Winterthure Mass) 4 Gulden und 3 Schillinge (ca. Fr. 21.-). Für Milch, die er in Lendikon abholen musste 4 Gulden (Fr. 20.-).

Die Milchlieferanten liessen ihr Geld mit Zins stehen, um es dann um Martini gesamthaft abholen zu können. Kontrolliert wurden die Sennhüttenbetreiber einerseits durch die Eichmeister (Milchwaage), andererseits durch den Gemeinderat (Masse und Gewichte der eingenommenen Milch). 1845 wurden die Angaben von Senn Wild beanstandet, die als fehlerhaft bezeichnet wurden. Um Martini 1863 war wieder die Zahlung an die Milchlieferanten fällig, Wild aber verschwand nach Tuggen und hinterliess zudem 46 verdorbene Käse Wert je 8 Schilling Fr. 1.-), die nicht mehr brauchbar waren. Die geschädigten Bauern schickten zwei Bevollmächtigte zur Einforderung der Schulden zum Bezirksgericht in die Innerschweiz. Aber erst nach längerer Zeit beglich Wild teilweise seine Schuld.
1864 übernahm Heinrich Wild die Sennerei. Ob es ein Verwandter seines Vorgängers war, ist nicht bekannt. 1877 ist erstmals eine Sennhüttengenossenschaft als Eigentümerin im Gebäudekataster eingetragen. Wer als Senn angestellt war, ist nicht bekannt. Reichlich Absatz fanden der produzierte Käse und die Butter auch für den Export. Die vermehrte Produktion von Käse erforderte infolge Platzmangel laut Bauauschreibung von 1867 eine Erweiterung der Sennhütte. 1878 ergänzte die Gesellschaft die Sennhütte mit einem Ausbau als Käsekeller und einer Wohnung darüber. 1886 übernahm Albert Spörri die Käse- und Butterherstellung – offenbar in eigener Regie, denn im ersten verfügbaren Protokoll von 1906 wird er als bisheriger Milchkäufer erwähnt.

Der steigende Bedarf an Konsummilch in der Stadt Winterthur und die Aussicht auf einen höheren Milchpreis führten 1906 zur Einstellung der Käse- und Butterherstellung. Zur bestmöglichen Vermarktung der verfügbaren Milch gründeten 20 Milchproduzenten von Neschwil und Lendikon 1906 neu eine Milchgenossenschaft, mit einem Eintrag in den Statuten als «Sennereigenossenschaft Neschwil-Ländikon». Bereits 1905 wurde der Verband Nordostschweizerischer Käse- und Milchgenossenschaften gegründet zwecks Übernahme der Milch von Produzenten und zur Förderung des Absatzes von Milchprodukten. Die Sennereigenossenschaft beschloss, diesem Verband beizutreten, inklusive einer Beitragspflicht von 5 Rappen (später 10 Rappen) je 100 kg gelieferte Milch. An der Delegiertenversammlung des Verbandes wurde jeweils der Milchgrundpreis für die Genossenschaften beschlossen. Den Milcheinkauf und die Preisverhandlungen mit der Sennereigenossenschaft übernahm, wie früher, der Milcheinnehmer Albert Spörri. Für die Höhe des Produzentenpreises waren nebst dem Grundpreis die Auslagen der Genossenschaft massgebend, zu denen auch der Mietzins an die elf Aktionäre gehörte (20 Rappen pro 100 kg gehandelte Milch). Jeweils im Frühjahr und im Herbst fanden die Versammlungen der Genossenschaft statt, an der speziell der vom Vorstand mit dem Milchkäufer ausgehandelte Milchpreis beraten und beschlossen wurde. Für Abwesenheit an der Versammlung wurde 1912 eine Busse von 50 Rappen beschlossen. 1913 erfolgte eine Erhöhung des Beitrages an den Milchverband auf 50 Rappen je 100 kg abgelieferter Milch. Dieser Beitrag, der direkt dem Milchzahltag belastet wurde, entfiel ab 1916, wurde jedoch später wieder auf 10 Rp. pro 100 kg abgelieferte Milch angesetzt.

Nach der Zustimmung der Lendiker Milchproduzenten zur Neugründung einer gemeinsamen Milchproduzentengenossenschaft wurden Statuten mit 29 Paragraphen ausgearbeitet. Nach deren Genehmigung durch das Handelsregisteramt wurde die Sennereigenossenschaft an ihrer letzten Versammlung aufgelöst und die bisherigen Vorstandsmitglieder auch für die neue Genossenschaft gewählt.

Vorsteher der Sennereigenossenschaft (erst in den Protokollen ab 1906 aufgeführt)
Jahr Präsident/Aktuar/Quästor (Kassier)
1906 Heider Hermann/ Rüegg Emil (L) /Schenkel Rudolf
1909 Schenkel Kaspar /Meili Jakob /Heusser Johann (L)
1912 Meili Gustav /Meili Albert /Jucker Heinrich (Sohn)
1915 Jucker Karl/ Meili Rudolf /Jucker Heinrich (Sohn)
(L = Lendikon)

Milchproduzentengenossenschaft
1917 erfolgte die Gründung der neuen «Milchproduzentengenossenschaft Neschwil-Lendikon». Die noch von der vorgängigen Sennereigenossenschaft gewählten Vorsteher wurden von der neuen Genossenschaft bestätigt. Dies waren als Präsident Karl Jucker, Neschwil, als Aktuar Rudolf Meili, Lendikon, als Quästor Heinrich Jucker (Sohn), Neschwil. Im Protokoll bezeugten dreissig Milchlieferanten von Neschwil und Lendikon – davon zwei vom Reiti oberhalb Ludetswil (Gisler / Winkler) – mit ihrer Unterschrift ihre Mitgliedschaft. Im gleichen Jahr kaufte die Genossenschaft für Fr. 5000.- die Sennhütte mit Inventar von den elf Teilhabern der ehemaligen Sennhüttengesellschaft.
Die Finanzierung erfolgte über ein Darlehen der Spar- und Leihkasse Pfäffikon mit einem Zins von 5.25 %. Albert Spörri übernahm wie bisher die Milcheinnahme und den Weiterverkauf der Milch an den Milchverband Winterthur bis 1923. Danach verkaufte die Genossenschaft die Milch der Produzenten direkt an den Milchverband. Die von der Versammlung zu bestimmenden Milcheinnehmer übernahmen auch den Transport der Milch zur Bahn, zudem erstellten sie die Milchabrechnungen mit dem Milchverband und den Milchlieferanten (siehe: Milcheinnehmer). An den Frühjahrs- und Herbstversammlungen war, wie schon früher, die Milchpreisfrage das Haupttraktandum. 1929 waren 24 von insgesamt 31 Mitgliedern an der Versammlung anwesend. Sie beschlossen, von Abwesenden eine Busse von 50 Rappen zu erheben. 1932 waren dann alle Mitglieder an der Versammlung präsent. Weil die Delegiertenversammlung des Milchverbandes 1934 beschloss, den Milchgrundpreis jeweils für ein ganzes Jahr festzusetzen, verzichteten die Milchproduzenten ab diesem Jahr auf die Herbstversammlung. 1942 beschloss die Genossenschaft, für Neueintretende einen Beitrag von Fr. 5.- und bei einem Austritt Fr. 100.- zu erheben. Dem Vorstand wurde ein Kompetenzbetrag von Fr. 300.- zugestanden. 1946 genehmigten die Milchproduzenten neue Statuten. 1947 traten der Präsident Karl Jucker und der Quästor Heinrich Jucker nach zwanzig Jahren als Vorsteher der Genossenschaft von ihrem Amt zurück. Seit Bestehen der Milchproduzentengenossenschaft genossen die Mitglieder nach der Versammlung den von der Genossenschaft gespendeten «Hütten-Wein» und, je nach finanzieller Lage, einen Zabig in den Wirtschaften Freihof Neschwil oder Neugüetli Lendikon. Der Rechnung 1970/1971 schliesst mit folgenden Zahlen ab: Einnahmen Fr. 12’402.- , Ausgaben Fr. 11’804.- , bei Aktiven von Fr. 42’575.- und Passiven von Fr. 24’350.-. 1970/71 präsentierte sich der Rechnungsabschluss wie folgt:
Einnahmen Fr. 12’402.- / Ausgabe Fr. 11’804.- ; Aktive Fr. 42’575.- / Passiven Fr. 24’350.- 1974 erfolgten anlässlich einer Statutenrevision diverse Änderungen und Ergänzungen.
1979 zählte die Genossenschaft noch 18 Mitglieder, inbegriffen Nicht-Produzenten. 1984 musste eine vorgesehene Statutenrevision auf eine ausserordentliche Versammlung verschoben werden, weil die erforderliche Anwesenheit von zwei Dritteln der Mitglieder nicht gegeben war. Bei der nachfolgenden Versammlung ging es vor Allem um den Ausschluss von Mitgliedern, welche die Milchproduktion aufgegeben hatten.
Man einigte sich darauf, dass Selbstbewirtschafter und Eigentümer eines Landwirtschaftsbetriebes als Mitglied in der Genossenschaft bleiben können. 1985 waren an der Versammlung alle noch 13 Mitglieder anwesend. Sie beschlossen, neu einen Mitgliederbeitrag von Fr. 50.- und für Abwesenheit an der Versammlung eine Busse von Fr. 10.- zu erheben. 1989 wurde dieser Beschluss wieder aufgehoben. 1986 wurde die Ausgabenkompetenz des Vorstandes auf Fr. 3’000.- erhöht.

Hofabfuhr
1987 drängte sich eine bauliche Veränderung der Milchsammelstelle auf für die Lagerung und Abfuhr der Milch. Die verbleibenden acht Mitglieder der Genossenschaft besichtigten deshalb verschiedene Höfe mit ihren baulichen Einrichtungen für die Hofabfuhr der Milch. Danach entschlossen sie sich für die Hofabfuhr ihrer Milch. Auch eine Beurteilung der Eidgenössischen Forschungsanstalt Liebefeld bestätigte, dass eine für die Zukunft nötige Neueinrichtung und Renovation der Milchhütte finanziell nicht tragbar wäre. Die Milchproduzenten beschlossen, dass die Genossenschaft die Finanzierung der Installation von Milchtanks auf ihren Höfen übernehmen müsse. Deshalb verkaufte die Genossenschaft 1988 die Milchhütte für Fr. 270’00.- an einen einheimischen Neschwiler. Die Versammlung genehmigte dieses Geschäft mit acht zu fünf Stimmen.
1994 machte die Unterhaltsgenossenschaft Weisslingen die Milchgenossenschaft aufmerksam auf die durch die Milchabfuhr mit Vierachslastwagen entstandenen Schäden an den Zufahrtsstrassen zu den Siedlungen. Nach einer Aussprache mit dem Transportunternehmer erfolgte die Abfuhr künftig mit Zweiachs-Tanklastwagen.
Anlässlich einer Statutenrevision wollte der Vorstand 1995 die zwei Mitglieder, die nicht Milchproduzenten waren, ausschliessen, was aber von der Versammlung abgelehnt wurde. Das Vermögen der Genossenschaftbetrug auch nach der Finanzierung der Hof-Kühlanlagen noch über Fr. 150’000.- . Es wurde deshalb beschlossen, das Kapital in den nächsten Jahren mit Beiträgen an Revisionen, Reparaturen und Kühleinrichtungen der Milchanlagen von Milchproduzenten ganz abzubauen.
Mit dem Beschluss der Genossenschaft, die Milch über den Milchring «Züri Oberland» an die Firma Emmi zu verkaufen, tritt neu jeder Milchlieferant selber als Verkäufer auf. Da nun der Genossenschaft nur noch die Vermögensverwaltung zustand, wurde ihr Weiterbestand in Frage gestellt. Das Vermögen war bis 2010 abgebaut, so dass die Abschlussversammlung von 2011, an der Mitglieder und deren Ehefrauen noch einmal in den Genuss eines Nachtessens kamen, die Milchgenossenschaft Neschwil-Lendikon aufgehoben werden konnte.