Die Schulentwicklung: 12. – 20. Jahrhundert

Nebst der Schule in Weisslingen entstanden in den Aussenwachten weitere Schulen: 1685 in Neschwil mit Schülern von Lendikon, 1709 in Theilingen und 1824 in Dettenried. Diese gründeten zur Verwaltung ihrer Schulen Schulgenossenschaften und wählten ihre Stillständer als Vertreter bei der Kirchgemeinde als Aufsichtsbehörde.
Eine Änderung im Schulwesen kam durch das neue Schulgesetz über die Organisation des Volksschulwesens im Kanton Zürich auf Basis der Staatsverfassung von 1831. Es folgte die Trennung der Schule von der Kirche. Schulgemeinden übernahmen mit vier gewählten Schulpflegern und dem Pfarrer, der von Amtes wegen dabei war, die Aufsicht über die weiterhin bestehenden Schulgenossenschaften. Die religiöse Ausbildung wurde zur Förderung anderer Schulfächer reduziert. Dies forderte von der Lehrerschaft weit mehr berufliches Können und eine umfassende Bildung. Das führte 1832 zur Einrichtung des Lehrerseminars in Küsnacht, auch im Interesse eines vielseitigen Unterrichts. 1835 begann der Sekundarschulunterricht im von der kantonalen Aufsichtsbehörde bestimmten Sekundarschulkreis Fehraltorf-Russikon-Weisslingen in Fehraltorf. 1842 startete der Arbeitsschulunterricht (Nähschule) für Schülerinnen. Die anfänglich in Lehrerwohnungen und älteren Gebäuden eingerichteten Schulen genügten den räumlichen Anforderungen nicht mehr. Neue Schulhäuser wurden gebaut: 1824 in Dettenried mit Schwendi (vor der Einrichtung ihrer Schule), 1840 in Neschwil im Auftrag der Schulgenossenschaft Neschwil-Lendikon, 1848 in Theilingen und Weisslingen. 1861 erfolgte die Auflösung der Schule Dettenried und der Zusammenschluss mit Neschwil-Lendikon.
1892 wurde in Weisslingen eine Sekundarschule eingerichtet zur Aufsicht mit eigenen Schulpflegern. 1919 lösten sich die drei noch verbliebenen Schulgenosssenschaften Neschwil-Lendikon, Theilingen und Weisslingen auf und schlossen sich zu einer Primar- und Sekundarschulgemeinde zusammen.
Ab 1925 gingen die Schüler der 7. und 8. Klasse von Neschwil und Lendikon nach Weisslingen zur Schule. 1962 wurde die Oberstufenschulgemeinde Weisslingen-Kyburg gebildet mit der 7. und 8. Primarschule und den Sekundarschulklassen. 1977 wurde die Primarschule Neschwil aufgehoben, seit 1989 wird jedoch wieder eine gemischte Unterstufe für die 1. bis 3. Klasse geführt.
2009 erfolgte die Einstellung des Schulbetriebes in Neschwil.

Die Organisation der Schule

Die Alltagsschule

Für die Schüler von Neschwil und Lendikon richteten die Schulgenossen dieser Ortschaften 1685 eine eigene Schule in Neschwil ein. 20 Mädchen und 28 Buben besuchten 1772 den Unterricht von Oktober bis Anfang April.
1780 wurde im Winter täglich während sechs Stunden unterrichtet – drei Stunden vormittags und drei Stunden nachmittags. Im Sommer beschränkte die Schulbehörde den Unterricht auf zwei Tage in der Woche, jeweils dienstags und samstags, weil die Kinder bei den landwirtschaftlichen Arbeiten mithelfen mussten. In dieser Zeit fand der Unterricht nur in Weisslingen statt, auch für die Schüler der Aussenwachten.
1800 begann auch in der Schule Neschwil der Unterricht im Sommer. Man konnte ab dem 5. Altersjahr in die Schule eintreten, es bestanden aber keine festen Altersgrenzen. Etliche Eltern behielten jedoch ihre Kinder noch ein weiteres Jahr zu Hause. Lehrer klagten häufig über die ungenügende Reife ihrer Schüler.
1859 bestimmten Erziehungsrat und Regierungsrat das am 1. Mai vollendete sechste Altersjahr als Massgabe für den Schuleintritt. Das Unterrichtsgesetz von 1832 schrieb vor, dass neue Schüler mit ihren Eltern oder Vormund in der Kirche Weisslingen zur offiziellen Aufnahme in die Schule zu erscheinen hatten. Der Präsident der Schulpflege (der Pfarrer) und die Lehrer der vier Schulen der Gemeinde Weisslingen empfingen sie mit einer feierlichen Rede. Die Neschwiler und Lendiker verzichteten jedoch auf diesen Anlass, was in der Schulpflege Missfallen erregte.
Sie beschloss schliesslich 1850, dass die Eltern am ersten Schultag ihre Kinder in die entsprechende Schule begleiten sollten. Auch in vielen anderen Orten im Kanton Zürich verzichtete man auf die feierliche Zeremonie in der Kirche, was die kantonale Instanz schliesslich veranlasste, sie abzuschaffen. Seit 1831 bestand die Alltagsschule der Primarschule aus sechs Klassen. Im Entwurf des neuen Schulgesetzes von 1872 war eine neunjährige Schulzeit vorgesehen. Weil mehr Schule einen grossen Verdienstausfall für Kinder im Jugendalter bedeutet hätte, verwarf das Volk das Gesetz jedoch wuchtig.
Die Schulpflege Weisslingen erachtete es 1887 als notwendig, die Alltagsschule um eine 7. Klasse zu ergänzen.
Im Frühjahr 1900 trat das neue Schulgesetz in Kraft und verlängerte die obligatorische Volksschule auf acht Jahre und beschloss damit die jahrelangen Bemühungen um die Erweiterung der Volksbildung. Die Schulpflege Weisslingen hatte im Vorfeld eine rege Diskussion über das neue Gesetz geführt. Die Landwirte würden nicht wollen, dass ihre Kinder den Erntearbeiten fernbleiben mussten, „es könne im Winter ja noch genügend in der Ergänzungsschule gelernt werden“. Andere Schulpfleger meinten, es seien ohnehin bereits mehrere Halbtage für die strengen landwirtschaftlichen Arbeiten frei. Wieder andere wollten auch den Kindern der Fabrikarbeiter eine bessere Schulbildung nicht vorenthalten. Die Mehrheit der Schulpflege beantragte schliesslich 8 Jahre Volksschule, was die Gemeindeversammlung auch annahm.
Die Ausdehnung der Schulpflicht auf neun Jahre war vorerst den Gemeinden überlassen. Die Einführung im ganzen Kanton erfolgte 1977/78.

Die Repetier- und Ergänzungsschule

Eine erste Erweiterung der Schulpflicht bedeutete die Einführung der Repetierschule 1777, zunächst aber nur in Weisslingen. Erst 1800 wurde auch in Neschwil eine Repetierschule eingeführt. Die Öffentlichkeit nahm an ihrem Gedeihen nur geringen Anteil. Lernlust und Fleiss liessen stark zu wünschen übrig und die Disziplin gab zu vielen Klagen Anlass. Die Repetierschule sollte nach dem Gesetz von 1832 Wiederholungs- und Ergänzungsschule sein, und der Schwerpunkt lag tatsächlich auf dem ersten Teil ihres Namens. Die Repetierschule beanspruchte wöchentlich zwei halbe Tage zu drei Stunden, die Schulpflege Weisslingen beschränkte jedoch den Unterricht wegen der landwirtschaftlichen Arbeiten im Sommer auf einen halben Tag in der Woche.
1887 beschloss die Schulpflege, die Repetierschule um zwei Stunden zu verlängern und die Repetierschule in eine Ergänzungsschule umzuwandeln, nach der man weit herum im Kanton rief und die auch die Sachverständigenkommission verlangte. Das Unterrichtsgesetz von 1832 hatte eine nur ungenügend ausgebaute Oberstufe vorgesehen. Zwar war bereits 1833 die Sekundarschule als gehobene Alltagsschule eingeführt worden, ihr Besuch jedoch war freiwillig und mit einigen Kosten verbunden, was naturgemäss ungünstig selektiv wirkte. Kinder aus wirtschaftlich bedrängten Familien besuchten zwangsläufig die Repetierschule, weil sie so bereits mit 13 Jahren in der Fabrik oder auf dem elterlichen Heimwesen voll erwerbstätig sein konnten.
Zum Eintritt in die Repetierschule versammelten sich die künftigen Alltagsschüler der Schulgenossenschaften der Gemeinde Weisslingen im Schulhaus Weisslingen. Die Schulpflege prüfte, ob die betreffenden Schüler die Examen erfolgreich abgeschlossen und das erforderliche Alter von 12 Jahren erreicht hatten. 1900 wurde die Repetierschule aufgehoben, als die auf acht Jahre erweiterte Volksschule eingeführt wurde.

Sonntagsschulweihnacht

Bis zum Jahr 2000 wurde im Neschwiler Schulhaus Sonntagschulweihnacht gefeiert. Die Kinder sangen Weihnachtslieder und führten mit Freude das Krippenspiel auf. Zu dieser Feier wurden Eltern und Freunde der Kin-er und alle Neschwiler eingeladen.