Die Brunnen
Es ist nicht bekannt wann der erste Laufbrunnen im Unterdorf oder später die andern Brunnen erstellt wurden. Erste Brunnen entstanden aus dicken Brettern, auch ausgehöhlte dicke Eichen- oder Tannenstämme wurden verwendet. 1815 erneuerte Neschwil den Dorfbrunnen im Unterdorf. Die beiden Zimmerleute Hans-Ulrich Heider und Jakob Bosshard zimmerten ihn aus dicken Brettern, die sie mit Harz und «Auschlig» (Talg) abdichteten. Kosten: 14 Gulden und 14 Schilling (ca. 72 Franken). 24 Jahre später fügte der Küfer Kaspar Jucker im Auftrag der Zivilgemeinde einen Waschtrog dazu, dessen Bretter Peter Bär aus Rikon bereit stellte. Die Gesamtkosten betrugen 31 Franken.
1864 lieferte der Steinhauer Josef Moser aus Würenlos einen Brunnen samt Brunnenstock aus Stein. Dieser ersetzte den Holzbrunnen im Unterdorf. Laut Vertrag kostete der Brunnen 267.35 Franken. Dazu kamen Transportkosten und Trinkgeld in der Höhe von 61 Franken. Die Messingröhre und das Ablagegitter lieferte Schlosser Jacob Frei aus Weisslingen für 31.40 Franken. Viele Jahre erfüllte der Brunnen seine Dienste. 1948 schliesslich errichtet die Zivilgemeinde einen dreiteiligen Brunnen. Von den Kosten von 2’188 Franken übernahmen direkte Anwohner 560 Franken. 40 und 58 Jahre später kamen weiter Aufwendungen für die Sanierungen von 6’661 Franken dazu. Mit dem Kauf der Oberdorfer Wasserversorgung übernahm die Zivilgemeinde auch den 1901 erstellten Brunnen. Die umfassende Revision 1986 mit Kosten von 8’525 Franken übernahm die Firma Corti aus Winterthur. Foto und Zeichnungen weisen auf einen noch älteren Brunnen hin. Ursprünglich gab es in Neschwil acht Laufbrunnen.
Durch den Strassenbau und die Oberflächenteerung in den Jahren um 1950 verschwanden zwei Brunnen «Im Winkel» und zwei in der Aussergass. 2014 gibt es noch vier Brunnen «Im Winkel» (1870), «Im Unterdorf» (1948), «Im Oberdorf» (1901) und beim Schulhaus (1890) ohne Wasser. Bei den Aussenhöfen sind es immer noch drei «Im Segel» (1856), «Im Kapf» (1815) und «Im Feld» (1889). Ein Holzbrunnen an der Ludetswiler-strasse wurde 1974 von der Familie Scherz erstellt. Er musste schon ein erstes Mal ersetzt werden.
Die Brunnengenossenschaft Unterdorf
Erste Angaben über eine Zusammenarbeit der Dorfbewohner für eine verbesserte Wasserversorgung finden sich ab 1815. Zu dieser Zeit entstand vermutlich die Brunnengenossenschaft Unterdorf. Die Anstösser fassten mit einer Teuchelleitung (siehe Wasserleitungen) das Quell- und Grundwasser in der «Schuelwiese» und leiteten es über die neu erstellte Brunnenstube hinter dem Spritzenhaus zum Brunnen im Unterdorf. Die Ortsgemeinde beteiligte sich an den Kosten der Leitungen, die vermutlich im Frondienst verlegt wurden. Für die Kosten des ersten Brunnens und die späteren Ersatzbrunnen kam die Ortsgemeinde auf. 1827 wollten die 16 Teilhaber die Wasserfassung in der Schuelwiese erneuern, um für ihre Käsehütte Wasser zu erhalten, dagegen wehrten sich die Brunnennutzniesser. Darauf versammelten sich 39 Ortsgemeindebürger unter der Leitung von Seckelmeister Jakob Winkler und in Anwesenheit von Gemeindeammann J.R. Wintsch und Friedensrichter Jakob Greutert zu einer ausserordentlichen Versammlung. Hier wurde beschlossen, dass die Teilhaber der Käsehütte ein Viertel des Wassers benützen können unter der Bedingung, dass sie eine neue Teuchelleitung bis zur Brunnenstube erstellen und deren Unterhalt übernehmen. Zusätzlich mussten sie einen Viertel der Kosten für die Hauptleitung von der Brunnenstube zum Dorfbrunnen übernehmen. Drei Viertel der Kosten gingen zu Lasten der Ortsgemeinde und der übrigen Brunnennutzniesser. 37 Stimmberechtigte hiessen diesen Antrag gut.
Die Hauswasserzuleitungen
1904 erhielt die Brunnengenossenschaft vom Kanton und der Zivilgemeinde das Durchleitungsrecht zur Verlegung der Hauswasserzuleitungen. Allerdings verlangte die Zivilgemeinde anstelle der bestehenden Brunnenstube den Bau eines Reservoirs mit einem Fassungsvermögen von 50 Saum (8 m³), zudem musste der Überlauf des Reservoirs dem Feuerweiher unterhalb der heutigen Remise zugeführt werden.
Der Mechaniker Albert Jucker von Weisslingen erhielt den Auftrag, die 100 Meter lange gusseiserne Hauptleitung vom Reservoir zum Brunnen im Unterdorf inklusive Grabarbeiten zu verlegen. Die Kosten von 667.55 Franken gingen zu Lasten der Zivilgemeinde. Die übrigen Kosten wie Neufassung der Quelle in den Schuelwiesen sowie die eiserne Zuleitung zu den Liegenschaften trugen die Brunnengenossen und die Sennhüttengesellschaft.
20 Jahre später entschieden sich die Brunnengenossen für den Anschluss an die neue Wasserversorgung der Zivilgemeinde. Grund war das mangelnde Speichervolumen und die unbefriedigenden Druckverhältnisse. Für 500 Franken wurde das Quellenrecht an die Zivilgemeinde verkauft.
Brunnengenossensschaft Oberdorf
Über die Entstehung und den Betrieb dieser Wasserversorgung sind nur wenige Angaben vorhanden. Schon vor 1901 gab es einen Brunnen aus Holz unterhalb der später eingerichteten Poststelle mit fliessendem Wasser, der vermutlich von der Quelle der Zivilgemeinde im Espen gespiesen wurde.
Hauswasserzuleitungen im Oberdorf
Oberhalb der Post, im Ifang, baute die Genossenschaft 1901 ein Reservoir und erstellte eine Gusshauptleitung mit Anschlüssen zu den Liegenschaften im Oberdorf (Plan, Projekt). Gleichzeitig installierte die Zivilgemeinde einen Unterflurhydranten in die Hauptleitung beim Brunnen. Für ihren kostenlosen Löschwasserbezug tritt die Zivilgemeinde ihre Wasserquelle im Espen an die Brunnengenossenschaft ab (Protokoll Gemeindegut Lindenberg).
Vor die Mauer unterhalb der ehemaligen Post wurde 1901 ein steinerner Brunnen samt Tropfsteinfelsen gesetzt, der heute noch besteht. 1925 verkaufte die Brunnengenossenschaft die noch intakte Wasserversorgung für 700 Franken an die Zivilgemeinde. Auch nach der Einrichtung der Gesamtwasserversorgung 1924 in Neschwil, bezogen immer noch verschiedene Hauseigentümer im Oberdorf aus dem bestehenden alten Leitungsnetz ihr Wasser bis 1982.
Brunnengenossenschaft Aussergass
Über diese Genossenschaft sind nur wenige Angaben in Kassabuch und Protokoll der Schulgenossenschaft Neschwil-Lendikon vorhanden. Heinrich Schenkel baute 1847 eine Liegenschaft neben dem Schulhaus (Neschwilerstr. 5). Für seine Wasserversorgung fasste er eine Quelle im Waldbüel und erstellte eine Teuchelleitung zu seinem Haus. Daran beteiligte sich die Schulgenossenschaft Neschwil-Lendikon (siehe Wasserversorgung der Schule, dazu zwei weitere Wasserbezüger mit einer Zuleitung in die Aussergass zu einem Brunnen an der Kreuzung Tollenstrasse und einem zur Scheune (Neschwilerstr. 13).
Erst 1862 wird die Brunnengenossenschaft Aussergass im Protokoll der Schulgenossenschaft erwähnt, vermutlich haben sich dazu weitere Wasserbezüger der Brunnengenossenschaft angeschlossen. 1904 übernahm die Schulgenossenschaft Neschwil-Lendikon die Planung für eine neue Wasserversorgung mit einer Quellfassung im Taarain mit zwei weiteren Beteiligten (siehe Wasserversorgung der Schule). Ab 1924 beteiligten sich auch diese Liegenschaftenbesitzer an der Wasserversorgung der Zivilgemeinde. Die Quellfassung Taarain wird heute noch von zwei Beteiligten für das Giessen der Gärten benutzt.
Die Schule verzichtete ab 1985 auf ihr Quellrecht. Die Zuleitung der alten Wasserversorgung vom Waldbüel zu den drei bestehenden Brunnen wurde 1952, anlässlich des Ausbaus und der Oberflächenteerung der Strasse vom Schulhaus ins Dorf durchbrochen und nicht repariert. Zwei Brunnen wurden deshalb entfernt. Fünf Jahre später wurde der Anschluss des Brunnens beim Schulhaus an die Wasserversorgung von der Zivilgemeinde abgelehnt.
Brunnengenossenschaft Winkel
Diese Genossenschaft besteht heute noch, allerdings ist ihr Gründungsjahr nicht bekannt. Sie wird erst 1904 beim Verkauf von vier Steingutröhren an die Schulgenossenschaft Neschwil-Lendikon erwähnt. Von der im Haini gefassten Quelle mit Reservoir wurden an der Ludetswilerstrasse drei Brunnen gespiesen. Deren zwei wurden bei der Strassenkorrektur 1952 entfernt. Heute sind nur noch drei Genossenschafter am Brunnen mit der Jahrzahl 1870 beteiligt. Es handelt sich nicht um Trinkwasser. Der Eintrag des Quellen und Durchleitungsrechts ins Grundbuch erfolgte 1993.
Die neue Wasserversorgung
Vor der Erstellung einer neuen Wasserversorgung 1923 verlangte die Zivilgemeindeversammlung, dass die bisherigen freiwilligen Beiträge von 5’500 Franken auf 6’000 Franken erhöht werden sollen. Schliesslich kamen 5’950 Franken zusammen. Mit dem Bau konnte begonnen werden. 1924 entstand unter der Leitung eines Winterthurer Ingenieurs Guyer ein Wasserleitungssystem mit Hydranten. Gleichzeitig wurden zwei Reservoirs erstellt. Dasjenige im Unterdorf als Sammelreservoir wurde durch Baumeister Florian Bonelli und dasjenige im Taa durch das Baugeschäft Meier, Pfäffikon gebaut. Das von den Schuelwiesen in das Sammelreservoir Unterdorf geleitet Grundwasser wird bis heute in das Reservoir Taa gepumpt.
Die Zivilgemeinde erwarb die bestehenden Quellenrechte in den Schuelwiesen von der Brunnengenossenschaft Unterdorf für 600 Franken und für 150 Franken diejenigen von Rudolf Schenkel. Die Gusshauptleitungen mit einem Durchmesser von 100/125 Milimeter (Halbergermaterial) sowie die eisernen Hauszuleitungen verlegte die Schlosserei Schneider, Pfäffikon. Damals wurden die Muffen der Gussleitungen mit einem Teerstrick und eingegossenem und mit verstemptem Blei verdichtet. Sie sind bis heute in recht gutem Zustand.
Die elektrischen Anlagen montierte das EKZ, und die Schaltvorrichtungen die Firma Farner, Luzern. Zwei Kilometer Grabarbeiten wurden von den Neschwiler Männern in Handarbeit ausgeführt. Die budgetierten Kosten von 70’000 Franken reichten bei weitem nicht. Die Schlussabrechnung betrug 85’994.10 Franken. Davon übernahm die Kantonale Gebäudeversicherung 32’640 Franken, dazu kamen freiwillige Beiträge, die Zivilgemeinde musste 47’404.10 Franken bezahlen.

