Die Post
Im Jahre 1610 wurde das erste Postamt in Zürich eingerichtet. Zu dieser Zeit begann die Beförderung von Briefen und anderen Sendungen durch die Post. Der Zürichbote brachte die Poststücke, die nicht für das Zürcher Gebiet bestimmt waren, in das Postamt der Kantonshauptstadt zur Abfertigung. Dort nahm er dann im Gegenzug die Postsendungen und Briefe in Empfang, die für die Bürger der Gemeinde Weisslingen bestimmt waren.
Um 1840 wird ein Bote erwähnt, der regelmässig dienstags und freitags nach Zürich verkehrte und im „Roten Ochsen“ am Weinplatz einkehrte. Später erledigte er dann seine Postaufträge. Ab 1840 bestand ein Botenkurs, der regelmässig die Orte Wangen, Kindhausen, Illnau, Weisslingen, Theilingen, Neschwil, Dettenried, Kyburg und Ettenhausen bediente. Am Montag, Donnerstag und Samstag kursierte der Bote nach Winterthur. Für diesen dreimaligen Gang und Bestellung erhielt der Bote eine Entschädigung von Fr. 80.60 quartalsweise ausgerichtet.
Am 1. Juli 1843 wurde von der kantonalen Postverwaltung ein Postbüro in Weisslingen eröffnet. Im gleichen Jahr gelangten auch die ersten Briefmarken zur Ausgabe, das „Züri-Vieri“ und „Züri-Sächsi“ mit einem Wert von 4 und 6 Rappen. 1849 übernahm die Eidgenossenschaft die Post und brachte eine gründliche Revision der Posttaxen mit neuen Briefmarken zu 2 ½, 5, 10 und 15 Rappen. Der Posthalter hatte verschiedene Aufgaben zu erfüllen. So musste er einerseits Briefträger und Bote zugleich sein. Er musste z.B. täglich die Postsachen in Winterthur besorgen. Diese Regelung hatte zur Folge, dass Neschwil und Lendikon eine tägliche Postzustellung erhielten.
Ab 1865 erledigte der Ablagehalter Burri in Weisslingen den Postdienst von der neu eingerichteten Poststelle Kollbrunn zweimal täglich. Anschliessend versorgte er täglich zweimal die Gemeinde Weisslingen mit der Post.
1871 wurde ein Postkurs von Pfäffikon über Weisslingen nach Winterthur eingerichtet. Es bestand bereits ein Postkutschenkurs im Tösstal von Winterthur nach Bauma. Mit der Erbauung der Bahnlinie durchs Tösstal im Jahre 1875 entstand eine wesentliche Umgestaltung der Postverbindungen. Einige Kurse fielen aus dem Fahrplan, andere wurden gekürzt. Von Pfäffikon her kursierte der Postwagen nur noch bis Kollbrunn. In Theilingen wurde am 1. Juni 1875 eine Postablage eingerichtet. Neschwil erhielt nunmehr die Postzustellung zweimal täglich von Theilingen. Am 1. Juli 1889 wird in Neschwil im Hause von Heinrich Jucker, Neschwilerstr. 57, gegenüber der Sennhütte, eine Postablage erstellt. Der Hauseigentümer, geb. 1852, amtete zugleich als Stelleninhaber. Er hatte täglich einmal die Post in Rikon auszuwechseln und in Neschwil und Lendikon den Zustelldienst zu besorgen. Abgang des Boten nach Rikon war um 07.30 Uhr, Rückkehr um 09.30 Uhr.
Ab 1. August 1903 wird werktags ein zweiter Botengang nach Rikon ausgeführt und in den folgenden Jahren ab 1906 eine zweite Austragung der Post bewilligt. 1920 erfolgte die Aufhebung der Post- und Bahnkurse am Sonntag. Als neuer Posthalter übernahm Ernst Jucker 1923 die Poststelle bis 1926 mit einer monatlichen Besoldung von Fr. 1530.-. Gustav Meili übernahm 1926 die Stelle als Posthalter und stellte in seinem Haus an der Neschwilerstr. 35 ein Postlokal zur Verfügung. Als neuer Posthalter amtete Gustav Meilis Sohn 1931. Am Sonntag 30. April 1933 ist diese Liegenschaft abgebrannt. Nur das Postlokal blieb vom Feuer verschont. Die Postsachen konnten bis auf einen Briefkastenschlüssel und einige Gewichtssteine gerettet werden. Vorübergehend wurde die Post im Hause des ehemaligen Ablagehalters Jucker untergebracht. Am 15. Januar 1934 war das neue Postlokal (11,6 m2) im Hause von Gustav Meili Sohn wieder bezugsbereit. Nach dem frühzeitigen Tod von Gustav Meili 1946, übernahm dessen Ehefrau Rosa Meili den Postbetrieb. Am 15. Juli wurde der bisherige Botenkurs Neschwil-Rikon durch einen Autobuskurs ersetzt. Die Stelleninhaberin Frau Meili kaufte für diese Fahrten einen „VW Käfer“ mit vier Plätzen.
Am 7. Juni 1958 wurden die Schalterstunden neu geregelt. Frau Rosa Meili trat Ende Januar 1964 als Posthalterin zurück. Als Nachfolger, mit Dienstantritt am 1. März 1964, wurde ihr Sohn, Kurt Meili gewählt. DieNeubesetzung brachte eine Umstellung im Aussendienst mit sich. Der Postverkehr ging neu von Neschwil nach Weisslingen. Das hatte zur Folge, dass der Botenkurs nach Rikon aufgehoben wurde. Gleichzeitig hatte Neschwil die Bedienung von Lendikon und Dettenried zu übernehmen. Ab dem 1. Februar 1968 kamen dann noch neun Haushaltungen an der Lendikerstrasse von Weisslingen dazu. 1971 erweiterte sich das Zustellgebiet um das Quartier Leisibüel. Am 20. Oktober 1980 kam ein neuer Poststempel zum Einsatz. Er hatte eine Stundenangabe.
Die Schalteröffnungszeiten: Montag bis Freitag: 06.15 – 06.45 Uhr; 11.00 – 12.00 Uhr; 12.30 – 13.00 Uhr; 18.00 – 19.00 Uhr; Samstag: 06.15 – 06.45 Uhr; 10.30 – 11.00 Uhr
Alle Botengänge wurden mit dem Privatauto erledigt. Dafür wurde eine entsprechende Entschädigung ausgerichtet. Die Aufhebung der Poststelle Neschwil erfolgte am 31. Mai 1999. Mit einer Abschlussfeier für das Posthalterehepaar Kurt und Irma Meili ging die 35jährige, verantwortungsvolle Tätigkeit zu Ende. 110 Jahre bestand die Poststelle in Neschwil. Der Postbotenkurs wird weiterhin durch die Poststelle Weisslingen besorgt. Die alte Posttafel wurde dem „Historischen Verein Weisslingen“ übergeben und nun kann sie im Sprützehüüsli bewundert werden.

